Ingo Elbe: Rechtsform und Produktionsver-hältnisse
info am 22. Februar 2010 um 21:39Frieder Otto Wolf nannte einmal die Formanalyse des Staates und die strukturmarxistische Staatsanalyse „die beiden großen Initiativen zu einer Erneuerung des Marxismus als politische Theorie, die die 60er und 70er Jahre geprägt haben“. Diese Initiativen werden seit einigen Jahren wiederentdeckt und weiterentwickelt. Vor allem an den Untersuchungen des 1979 verstorbenen marxistischen Theoretikers Nicos Poulantzas ist ein immer stärkeres Interesse zu verzeichnen. Es wurde nicht nur sein Hauptwerk Staatstheorie im Jahre 2002 neu herausgegeben, außerdem erschien 2006 ein Sammelband, in dem beinahe sämtliche Aspekte von Poulantzas’ Schaffen systematisch betrachtet werden. In einigen Beiträgen dieses Bandes wird das Verhältnis von Poulantzas’ relationaler Staatstheorie zur sogenannten Staatsableitung bzw. deren Vorläufer Eugen Paschukanis thematisiert. Auch wenn ich die grundlegende Stoßrichtung der Darstellungen von Joachim Hirsch, John Kannankulam und Sonja Buckel teile, die Überlegungen von Poulantzas und Paschukanis nicht zu unvereinbaren Paradigmen zu stilisieren, so möchte ich doch die dabei m.E. voreilig vorgebrachte These, zwischen beiden bestünde ein ‚heimlicher Dialog’ , in Frage stellen. Zu diesem Zweck sollen hier Poulantzas’ Kritiken an den Ansätzen einer Formtheorie des Staates kurz beleuchtet und ihre Mängel herausgearbeitet werden.
Der komplette Text »Rechtsform und Produktionsverhältnisse. Anmerkungen zu einem blinden Fleck in der Gesellschaftstheorie von Nicos Poulantzas« von Ingo Elbe ist zu finden unter: http://www.rote-ruhr-uni.com

Die Staatstheorie Nicos Poulantzas’ und das damit zusammenhängende zentrale Konzept des Staats als „materieller Verdichtung eines Kräfteverhältnisses zwischen Klassen und Klassenfraktionen“ wurden in den letzten Jahren im deutschen Sprachraum viel diskutiert. Teilweise sehr abstrakt gehaltene Beiträge erinnerten dabei oft an Milibands Kritik im Zuge der berühmten Debatte in New Left Review Anfang der 1970er: „Out, out, damned fact“, persiflierte er Poulantzas’ „absurdly exaggerated fear of empiricist contamination“. Heute scheint insbesondere die deutsche Debatte um Poulantzas oft von einer ähnlichen Angst geplagt. Im Gegensatz zu Poulantzas’ Werk, der in „Faschismus und Diktatur“ eine empirische Faschismusstudie vorlegte, sind im Neo-Poulantzianismus empirische Studien oft Mangelware.